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#chronicalme: Leben mit Insulinresistenz

Disclaimer: Ich bin keine medizinische Fachkraft, dies ist nur ein Erfahrungsbericht mit einer vereinfachten Darstellung eines hochkomplexen medizinischen Problems.


Als meine Frauenärztin mir sagte, dass ich eine Insulinresistenz habe, hätte man denken können, dass ich mich freuen müsste. „Resistenz“ das klingt doch erstmal sehr gut. Jeder würde sich doch bspw. wünschen, gegen alle Viren der Welt resistent zu sein – oder gegen Stress, oder gegen freie Radikale oder auch bloß gegen die unvergleichlichen Verführungskünste des Süßigkeitenregals im Supermarkt.


Gegen was man (oder viel mehr die eigenen Zellen) nicht resistent sein möchte, ist gegen Insulin. Insulin ist eines der wichtigsten körpereigenen Hormone, welches in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es hilft uns nach der Nahrungsaufnahme dabei, Zucker aus dem Blut aufzunehmen und diesen an die Zellen weiterzutransportieren, wo er gerade gebraucht wird. Dazu gehören insbesondere Muskel- und Gehirnzellen.


Leidet man aber nun wie ich an einer Insulinresistenz heißt das, dass dieser Prozess gestört ist. Die Zellen in meinem Körper reagieren nicht mehr auf das höfliche Anklopfen des Insulins, welches doch nur kurz Energie abliefern will. Auch wenn die Bauchspeicheldrüse nun ganze Armeen von Insulin losschickt, bleiben meine Zellen unnachgiebig und setzen nur Kopfhörer auf, wenn ein Hormontrupp versucht, ihre Tür einzurennen.


Die Folgen davon spüre ich seit ein paar Jahren immer deutlicher: Ich bin dauermüde, habe Probleme beim Gewichtsverlust, dabei ebenfalls eher einen Hang zu unkontrollierter Gewichtszunahme aufgrund von Heißhungerattacken und auch meine Konzentrationsfähigkeit ist angeschlagen. Was ich erst ausschließlich als Begleitsymptome meiner chronischen Erkrankungen und deren Behandlung abgetan habe, kann nun zusätzlich eben auf die Insulinresistenz zurückgeführt werden.


An dieser Stelle könnte man jetzt aufatmen – nach dem Motto: Wenn man die Ursache gefunden hat, kann das Problem dann ja auch behandelt werden. Und das ist eigentlich auch keine falsche Annahme. Für Insulinresistenz gibt medizinische Hilfe. Ein guter Ansatz wäre bspw. die sagenumwobene „Abnehmspritze“. Da unser Gesundheitssystem aber – und vor allem das kassenärztliche – weniger präventiv arbeitet, sondern überwiegend kurativ, sind meine Beschwerden noch nicht „gefährlich“ genug.


Eine diagnostizierte Insulinresistenz reicht nämlich nicht aus, um eine Behandlung mit der „Abnehmspitze“ zu rechtfertigen. Erst, wenn aus der Insulinresistenz dann Diabetes Typ II entstanden ist, kann diese mit Kostenübernahme verschrieben werden. Zuvor jedoch wird – unabhängig von weiteren Erkrankungen etc. – einfach gesagt: „Sie müssen abnehmen, dann wird das schon!“.


Das Problem ist aber, dass Abnehmen ja durch die Insulinresistenz stark erschwert ist. Hinzu kommen die übrigen Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Heißhungerattacken, die ebenfalls einem aktiveren und gesünderen Bewegungs- und Essverhalten entgegenwirken. Also wie soll ich abnehmen, wenn mein Körper sich dagegen wehrt, ich gerade genug Energie habe, meine bezahlte Tätigkeit auszuüben (die ja der Grundstein dafür ist, dass ich meine Krankenversicherung finanzieren kann, die mir dann aber nicht die benötigte Behandlungsmethode finanziert – Achtung: Ironie!) und eigentlich schon relativ gesund lebe, da ich überwiegend vegetarisch (und ein paar Tage im Monat pescetarisch) esse?


Das erinnert mich wiederum an eine Situation vor knapp anderthalb Jahren, als ich mit erhöhtem Cholesterinspiegel zu meiner Hausärztin zitiert wurde und die mir – als damals noch strikter Vegetarierin – sagte, ich solle weniger Fleisch essen. (Später fand ich in Eigenrecherche heraus, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel bei jungen Menschen mit Hang zu Gemüse oftmals ein Begleitsymptom von einem Vitamin-D-Mangel ist, der ebenfalls im gleichen Blutbild festgestellt worden ist.)


Also, was soll ich sagen, ich fühle mich mit der Diagnose einfach nur vollkommen allein gelassen. Ich kann mir die „Abnehmspritze“ (wie wohl die meisten Normalsterblichen) aus eigener Tasche nicht leisten und werde nun nicht nur in einem sanften Regen, sondern in einem Vorwurfshagel von meiner Hausärztin stehen gelassen. Hilfe, die Schäden an Nerven, an Blutgefäßen sowie an der Funktionsweise von Nieren und Herz verhindern und mir Lebensqualität zurückbringen könnte, wird mir verwehrt. Und ich bin noch niemals schuld an diesem ganzen Schlamassel! Höchstwahrscheinlich ist die Insulinresistenz bei mir zum einen auf eine genetische Disposition väterlicherseits zurückzuführen, die mir auch mein Lipödem vermacht hat, und zum anderen auf den dauerhaften Stress, unter dem ich leide, weil ich trotz chronischer Erkrankungen und Kindheitstraumata ein halbwegs normales Leben führen möchte…


Ich bin einfach nur enttäuscht, fühle mich hilflos und kann daher grade auch keinen hoffnungsvollen Abschluss für diesen Blogpost finden. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das!

 
 
 

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