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#nähkästchen: Childfree Dating

Es ist mir nicht mehr möglich zu zählen, wie oft ich gefragt werde: „Line, wie ist eigentlich heterosexuelles Dating als Frau, wenn man childfree ist, also keine Kinder will?“. Und warum ist es mir nicht möglich? Weil man nicht Minus 100mal gefragt werden kann. Wenn ich von meinem Dating-Leben erzähle, was 90 Prozent der Zeit nicht mal existiert, ernte ich meistens mitleidige oder auch ungläubige Blicke. Öfter als die o.g. Frage höre ich dann doch: „Aber gibt es wirklich so wenig Männer, die keine Kinder wollen.“ Und meine Antwort darauf ist: Ja, irgendwie schon.


Wer mir das dann nicht glaubt, dem zeige ich Zahlen. Zahlen, die vielleicht nicht unbedingt zu 100 Prozent belastbar sind, aber die das „Problem“ veranschaulichen. Dafür zücke ich mein Handy, öffne die Dating-App meines Misstrauens und verweise auf die „Explore“-Funktion, bei der man Personen mit gleichen Interessen schneller finden kann. Dort gibt es zum einen die Gruppe „Kinderwunsch“ und zum anderen die Gruppe „Kinderfrei“, in die man automatisch nach seinen privaten Angaben eingeteilt wird – sofern man(n) denn diese Information überhaupt teilen möchte. Während mir in einem Radius von 160km in einer Altersrange über knapp 15 Jahren insgesamt 17 Tausend Möchte-Gern-Daddys angezeigt werden, beschränkt sich die Auswahl an Männern, welche keine Kinder wollen, auf knappe 3 Tausend. Von 20 Tausend potenziellen Dates, kommen infolgedessen für mich nur 17,65 Prozent der Personen für eine längerfristige Beziehung infrage.


Wer jetzt meint, dass ich doch sicher jemanden unter diesen 3 Tausend Männern finden könnte, liegt nicht zwingend falsch, aber hat auch nicht unbedingt recht. Ich bleibe mal auf der mathematischen Ebene, um das zu untermalen. Es besteht nämlich eine große Deckungsgleichheit zwischen den Männern, die keine Kinder wollen, und denen, die gleichermaßen alternative Beziehungskonzepte leben, die ich nicht verurteile, aber – Pech für mich – auch nicht teile. Zudem habe ich ebenso noch gewisse optische und charakterliche Wünsche, die ein potenzieller Langzeitpartner mitbringen sollte – und dazu gehört auch die aberwitzige Fähigkeit, dass man(n) versteht, dass Fotos von unten, bei denen ich meinem Gegenüber ganz tief in die Nasenlöcher gucken kann, niemals vorteilhaft sind.


Die nächste Option, die mir auch immer wieder in Bezug auf Dating empfohlen wird, ist doch einfach mal abseits des Online-Datings meinem Glück nachzuspüren. Immerhin haben rund 25 bis 30 Prozent der Paare in Deutschland sich über Freund*Innen und Bekannte kennengelernt. 15 bis 20 Prozent fanden ihr fehlendes Puzzleteil beim Ausgehen und 10 bis 15 Prozent brachen mit dem berühmten Leitsatz „Never F*** the Company“. Dass frau, wenn sie größtenteils im Home-Office arbeitet, niemanden anderes als vielleicht den Briefträger oder den Paketboten kennenlernen kann, ist selbsterklärend und habe ich in meinem letzten Dating-Update bereits erläutert.


Und ja, ich habe auch schon den ein oder anderen Mann über Freund*Innen oder beim Ausgehen kennengelernt, aber da ist wieder das Problem, dass „Sag‘ mal, willst du eigentlich Kinder in der Zukunft?“ kein guter Einstieg für Small-Talk und „Hallo, ich bin Line und sterilisiert“ auch nicht die Begrüßung ist, mit der ich mich wohlfühlen würde. Und doch, im Endeffekt stehe ich immer unter dem Druck, das Thema „Kinderwunsch“ so schnell wie möglich und dabei irgendwie noch charmant oder wenigstens halbwegs natürlich zur Sprache zu bringen (oder wäre im Voraus Flyer über mich zu verteilen, die bessere Idee?). Auch wenn es absurd klingt, beim ersten Date oder sogar noch davor, also wenn man noch niemals weiß, ob man sich wirklich mag oder das gerade nur der Alkohol oder die Hormone waren, so persönliche Informationen miteinander zu teilen, ist es doch von Nöten.


Erschwert wird diese Situation zusätzlich auch noch dadurch, dass es männliche Menschen gibt, die sich entweder noch nicht sicher sind oder die nicht gerne in die Konfrontation gehen. Und ja, es ist weird, beim ersten Kennenlernen solche Fragen zu klären, und ja, es ist schmerzhaft, wenn man etwas beenden muss, was gerade erst begonnen hat und sich für einen kurzen Zeitraum so unfassbar gut angefühlt hat, aber wenn einfach die Zukunftsvorstellungen nicht passen und gerade so elementare Wünsche und Bedürfnisse nicht, dann ergibt „Weitermachen“ einfach keinen Sinn. Schmerzhaft und unangenehm, aber wahr.


Also, wenn ihr das nächste Mal eine Freundin oder ein Freund fragen solltet, die oder auch keine Kinder will, wie es mit dem Dating läuft, dann habt meine Worte im Hinterkopf.

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